FRANZ JOSEFS KAI 3,
Galerie mit Durchblick

Irgendwo zwischen Untersuchungskabinen und Diagnosezellen, hinter Garagen-
einfahrten und Vorsatzschalen, über Zwischengeschossen und unter Tonnen von Stahlbeton und Schutt mussten sie liegen: klare, großzügige Räume, wie sie in den ursprünglichen Plänen der „Bau-Brüder Schwadron“ für das 1904 errichtete Gebäude noch erkennbar waren…

Das Grundkonzept des Umbaus war somit gefunden: vor allem eine weit-
gehende Befreiung von in rund hundert Jahren angesammelten Ein-, Um- und Zubauten und eine weitergehende Reduktion der Struktur auf das konstruktiv notwendige Minimum – bis hin zur Freilegung einer möglichen durchgehenden Sichtachse von 35 Metern, die einen ungehinderten Blick von der Wiesinger-
straße durch einen glasüberdachten Innenhof bis auf den Franz-Josefs-Kai erlaubt.

Alle neuen Einbauten sind funktionale Ergänzungen, die sich in ihrer reduzierten Formensprache klar vom Bestand abheben, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Die Treppe aus 12 mm starkem schwarzem Stahl-
blech, frei aus dem Erdgeschoss auskragend, erschließt den bis dahin unge-
nutzten Keller und erweitert die Ausstellungsräume um einen großzügigen und über die Fassade teilweise natürlich belichteten und belüfteten Bereich im Untergeschoss. Eine Brücke, ebenfalls aus schwarzem Blech, markiert den Übergang vom Ausstellungsbereich zu Büro- und Nebenräumen. Sie kann zur Einbringung großer Objekte schnell und vollständig demontiert werden.

Das äußerst knappe Budget erforderte auch bei den übrigen Maßnahmen eine größtmögliche Reduktion: Ein Industrieestrich dient als Bodenbelag, offene Leuchtstoffbalken bilden die einzige Beleuchtung, an den Deckenuntersichten wurden bestehende Oberflächen belassen, in den neuen Sanitärräumen musste ein Lackanstrich genügen.

Die Fassaden sind mit großzügigen Glasfeldern geschlossen; auf der Seite des Franz-Josefs-Kais verläuft die Glasfläche vor der Ebene der bestehenden, zum Teil bereits zerstörten Kacheln. Die schwarz emaillierten Glasfelder vor den unterschiedlich breiten Pfeilerfeldern nehmen die vertikalen Streifen der historischen Fassadengliederung auf. Indem diese wie ein Strichcode interpretiert werden, erhält die Ansicht zum Kai eine neue, selbstbewusste Identität.


Ort  Wien 1

Jahr  2010

Fotos  Hertha Hurnaus

Grafiken  propeller z

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